Skandal-KULTUR reloaded

Literarische Affären INTERAKTIV erkunden

Parnass

Projektleitung: Freies Deutsches Hochstift – Frankfurter Goethe-Museum · Universität Trier - Trier Center for Digital Humanities (TCDH)

Förderer: Aventis Foundation

Laufzeit:

Ansprechpartner (TCDH): Dr. Claudia Bamberg; Dr. Thomas Burch

Referenzpublikation:

Cornelia Ilbrig: Die Geburt der Frühromantik aus dem Geiste des Skandals. In: Internationales Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft 30/31 (2021) (im Druck);

Forschungsbereich(e): Softwaresysteme und Forschungsinfrastrukturen, Digitale Literatur- und Kulturwissenschaften , Digitale Edition und Lexikographie

Schlagworte: Textsammlungen, Ausstellungskonzeption, Forschung und Lehre

Technologie:

Die digitale Plattform „Skandal-KULTUR reloaded“ macht Skandale als zentrale Kommunikationsphänomene der Moderne zum Thema. Wollen Museen aktuelle Entwicklungen aufgreifen, ist ein neues Herangehen nötig, besonders um User:innen der Neuen Medien zu erreichen. Die entstehende Plattform ist interaktiv und partizipativ ausgerichtet: Filmszenen, steuerbare grafische Darstellungen und Visualisierungen ermöglichen eine eigenständige und unterhaltsame Erkundung des Skandal-Themas. Dabei sollen neue Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit Literatur angestoßen und erprobt sowie innovative Präsentationswege entwickelt werden, um die strikte Unterteilung in Produzent und Rezipient aufzubrechen.

Im Fokus der multimodalen Präsentation stehen fünf Literaturskandale aus der Zeit zwischen den für Europa prägenden Revolutionen 1789 und 1848, deren Themen bis heute von großer Aktualität sind: Um ‚verbotene‘ Liebe, Selbstmord und Jugendgefährdung wird in Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ (1774) und den zeitgenössischen Reaktionen heftig gestritten. Einen Skandal um Fragen von Sexualität und Gender sowie von neuen, provokativen Ausdrucksmöglichkeiten in der Kunst entfachten Friedrich Schlegels romantischer Roman „Lucinde“ (1799) und die romantische Zeitschrift „Athenaeum“ (1798–1800). Am Skandal um Karl Sessas Posse „Unser Verkehr“ (1812/1815) lassen sich antisemitische Angriffe bis zu den pogromartigen sog. „Hepp-Hepp-Krawallen“ (1819) verfolgen. Die Affäre um Heinrich Heines Judentum und Graf August von Platens Homosexualität (1826–1830) eignet sich für Analysen rhetorischer Strategien zur Ausgrenzung von Minoritäten. Schließlich geht es um einen Religionsskandal: Karl Gutzkows Roman „Wally, die Zweiflerin“ (1835) wurde als heftiger Angriff auf Moral und Religion gewertet – der Autor musste sogar ins Gefängnis.

Spielerisch sollen die User:innen auf der Plattform die Skandale und ihre Strukturen entdecken, u.a. durch eine synchrone, interaktive Skandal-Zeitleiste mit Akteuren, Ereignissen und für die Skandale bedeutsamen Dokumenten (z.B. literarische Texte, Gerichtsakten, Zeichnungen), einen interaktiven Städteplan mit Skandalhotspots und durch computergrafische Darstellungen zur Analyse der zentralen Skandal-Elemente (rhetorische Strukturen, Gegnerschaften, öffentliche Reaktionen). Kurzfilme, die von Frankfurter Studierenden in Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Thomas Claus entwickelt werden, stellen eine Verbindung zwischen den historischen Skandalen und der Gegenwart her.

Team TCDH

Dr. Claudia Bamberg
E-Mail: bambergatuni-trier [dot] de
Tel: +49 651 201-3790

Dr. Thomas Burch
E-Mail: burchatuni-trier [dot] de
Tel: +49 651 201-3364

Michael Lambertz
E-Mail: lambertzatuni-trier [dot] de
Tel: +49 651 201-3226

Yu Gan
E-Mail: ganyuatuni-trier [dot] de
Tel: +49 651 201-3003

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