Die Korrespondenz des Naturphilosophen Henrik Steffens (1773-1845)

Eine wissenschaftliche Erschließung und virtuelle Zusammenführung

Korrespondenz Henrik  Steffens (1773-1845)

Projektleitung: Dr. Thomas Burch  (Universität Trier - Trier Center for Digital Humanities (TCDH)) · Dr. Marit Bergner · Humboldt-Universität zu Berlin - Nordeuropa-Institut

Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit: -

Ansprechpartner (TCDH): Dr. Thomas Burch

Referenzpublikation:

Marit Bergner: Henrich Steffens. Ein politischer Professor in Umbruchzeiten 1806–1819. Frankfurt a.M.: Peter Lang Verlag 2016.  

Burch,  Thomas  (zus.  mit  Claudia  Bamberg):  Inventarisieren,  Analysieren  und Archivieren vernetzt. Digitalisierung und Edition größerer Briefkorpora mit der virtuellen Editionsplattform »Forschungsnetzwerk und Datenbanksystem (FuD)«. In: Hanna Delf von Wolzogen, Rainer Falk (Hgg.): Fontanes Briefe ediert. Würzburg: Königshausen & Neumann 2014, S. 265–282.

Forschungsbereich(e): Softwaresysteme und Forschungsinfrastrukturen, Digitale Edition und Lexikographie

Schlagworte: Briefe, virtuelle Rekonstruktion von dislozierten Beständen, Born Digital, correspSearch

Technologie:

Als preußischer Gelehrter in Halle, Breslau und Berlin gehört der in Norwegen geborene und in Dänemark ausgebildete – und heute nahezu vergessene – Naturphilosoph Henrik Steffens (1773–1845) zu den zentralen Persönlichkeiten der deutschen und europäischen Geistes- und Universitätsgeschichte. In Skandinavien nimmt er eine zentrale Rolle in der Literatur- und Philosophiegeschichte ein. Steffens prägte die spekulative Richtung der Naturphilosophie und war im Gleichklang mit Schelling maßgeblicher Vertreter des Prinzips der Einheit von Natur und Geist. Sein umfangreiches Werk ist über die Philosophie hinaus auch für die Geschichtswissenschaften, Theologie  und Literaturwissenschaften bedeutsam: so zählt Steffens’ Schrift „Über  die  Idee  der  Universitäten“ (1809) neben den Schriften Fichtes, Schleiermachers und Wilhelm von Humboldts zu den wichtigsten Dokumentenüber die moderne Forschungsuniversität. In der Epoche der frühen preußischen Nationsbildung war Steffens überzeugter Kosmopolit und Mitglied einer europäischen intellektuellen Gemeinschaft. Seine Korrespondenz spiegelt nicht nur diese Europäisierung wider – sein Netzwerk umfasste Professoren und Generäle, Sänger und Schauspieler, Adlige und Geistliche in mehreren europäischen Ländern – sondern stellt auch eine wichtige Quelle für die Wissenschaftsgeschichte dar. Steffens nahm durch seine Position als skandinavischer Gelehrter in Preußen eine besondere Vermittlungsrolle zwischen den Wissenschaftlern seiner Zeit ein. Kontakte in die drei skandinavischen Länder und Kenntnisse der dänischen und deutschen Sprache ermöglichten ihm einen Wissenstransfer über die Landesgrenzen hinaus.

Virtuelle Vernetzung der Korrespondenz von Henrik Steffens

Die bislang nur bruchstückhaft publizierte Korrespondenz von Henrik Steffens ist ein zentraler Quellenkorpus für die Geschichte der Naturphilosophie und der Wissensvernetzung im frühen 19. Jahrhundert und dokumentiert gleichzeitig die gesellschaftspolitischen Diskurse seiner Zeit. Um weitere Forschung zu Steffens zu fördern und zu erleichtern ist eine wissenschaftliche Erschließung seiner Briefe und unveröffentlichten handschriftlichen Aufzeichnungen, die europaweit verstreut in verschiedenen Nachlässen und Verwaltungsakten liegen, unerlässlich. Es gibt keinen Nachlass von Henrik Steffens – Ziel ist somit neben der Erschließung auch die digitale Zusammenführung seiner Korrespondenz.

Absicht ist es, das bislang bekannte Briefkorpus von 600 Briefen, die in deutscher und dänischer Sprache vorliegen, und von Henrik Steffens verfasst worden sind, erstmals systematisch zu erfassen, zu erschließen und in einer digitalen Sammlung zusammenzuführen. Das Vorhaben versteht sich als Pilotprojekt zu einem größeren Folgevorhaben und setzt den Fokus auf die Inventarisierung und virtuelle Vernetzung der sich in über 40 europäischen Archiven und  Bibliotheken befindlichen Briefe. Diese Vernetzung und Sammlung dient als Grundlage für weitere interdisziplinäre Forschung und ermöglicht eine schnelle und einfache Quellenrecherche, die auch ohne Vorkenntnisse zu Henrik Steffens möglich ist. Die erzielten Forschungsdaten werden auf zweierlei Art publiziert und im Anschluss nicht nur dem DFG-Projekt correspSearch zur Verfügung gestellt, sondern auch mit der Gemeinsamen Normdatei (GND) verknüpft.

Die technisch ausgerichteten Arbeitspakete

Es soll ein digitales Portal in Form einer Online-Publikationsumgebung bereitgestellt werden. Darüber werden Forschungsdaten aus der FuD-Datenbank zugänglich gemacht, so dass Forscher:innen künftig auf die Übersicht der vollständigen Korrespondenz von Steffens sowie auf detaillierte Informationen zu jedem einzelnen Brief und seinem Empfänger zugreifen können. Jeder Brief wird mit den für ihn erhobenen Metadaten, d.h. optischen und inhaltlichen Merkmalen, dargestellt und der ihn besitzenden Institution zugeordnet. Durch geeignete Darstellungsformen erhält der Nutzende Überblicke über Steffens` Korrespondenzpartner:innen und seine Aufenthaltsorte sowie thematische Schlagwörter zur weiteren Suche. Dadurch wird für künftige Forschungsvorhaben der Rechercheaufwand minimiert, da in dieser Datenbank nicht nur Angaben zum Inhalt, sondern auch zur besitzenden Institution des einzelnen Autografs benutzerfreundlich zur Verfügung gestellt werden. Zur Implementierung der Publikationsumgebung werden die bereits in den o.g. Vorhaben eingesetzte Infrastruktur sowie die entwickelten Online-Module nachgenutzt und gemäß projektspezifischen Anforderungen angepasst. Damit können die erfassten Briefmetadaten über die bereits in FuD integrierte Schnittstelle im „Correspondence Metadata Interchange Format“ (CMIF29) exportiert und zur Verzeichnung in correspSearch bereitgestellt werden.

Bildnachweis: „Henrik Steffens an Unbekannt, 14. Januar 1836“
Privatbesitz: Loose Blätter Sammlung

Team TCDH

Frank Queens
E-Mail: queensatuni-trier [dot] de
Tel: +49 651 201-2935

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