Verstärkung in Forschung und Lehre

Dr. Susanne Kabatnik, die neue Akademieprofessorin im Bereich „Digitale Lexikographie“ an der Universität Trier, im Interview mit dem Trier Center for Digital Humanities

13.02.2023 | Allgemein, Pressemitteilungen

Seit November 2022 ist Dr. Susanne Kabatnik Juniorprofessorin im Fach Computerlinguistik und Digital Humanities (CLDH) an der Universität Trier mit dem Schwerpunkt „Digitale Lexikographie“. Die Linguistin erweitert mit ihren Lehrangeboten die fächerübergreifende Lehre der Digital Humanities durch die Professuren von Claudine Moulin, Professorin für Germanistik /Ältere Deutsche Philologie – Historische Linguistik des Deutschen und Ko-Direktorin des Trier Center for Digital Humanities (TCDH) sowie von Christof Schöch, Professor für Digital Humanities und ebenfalls Ko-Direktor des TCDH. Die Teams der Lehrstühle und des Kompetenzzentrums begrüßen sie ganz herzlich und freuen sich über die Verstärkung in Sachen Lehre und Forschung.
Juniorprofessorin Dr. Susanne Kabatnik

Frau Juniorprofessorin Dr. Susanne Kabatnik, Foto: privat

TCDH: Frau Dr. Kabatnik, Sie sind seit 1.11.2022 von der Universität Greifswald auf die neu eingerichtete Stelle als Juniorprofessorin „Digitale Lexikographie“ an die Universität Trier gewechselt. Was hat Sie an der Stelle gereizt?

Jun.-Prof. Dr. Susanne Kabatnik: Die Gründe für meine Bewerbung auf die Juniorprofessur für Digitale Lexikografie sind vielfältig. Zum einen hat mich ganz konkret der Standort Trier gereizt als Universität mit hochkarätiger Besetzung und Expertise. Das Dreiländereck bietet durch seine geografische Lage in der Mitte von Europa viele Möglichkeiten für Kooperationen mit Universitäten der Nachbarländer Frankreich, Luxemburg, aber auch Belgien, den Niederlanden sowie der Schweiz und Italien. Entscheidend war für mich jedoch die fachliche Ausrichtung der Universität, d.h. die Verknüpfung von Germanistik, insbesondere den Sprachwissenschaften, mit den Digital Humanities, die wegweisende und innovative Forschungsprojekte u.a. im Bereich der digitalen Lexikografie bearbeiten. Schließlich bewog mich mein eigenes Forschungsprofil zur Bewerbung, das zur Ausschreibung gepasst hat, d.h. meine Forschungsschwerpunkte in der Korpuslinguistik und meine Untersuchungen von Wortschatz, weiter auch die Internetlinguistik mit dem Fokus auf Sozialen Medien und Messenger-basierter Kommunikation.

TCDH: Im Jahr 2021 wurden aus Mitteln des Akademienprogramms – dem gemeinsamen geistes- und sozialwissenschaftlichen Langzeitforschungsprogramm der deutschen Wissenschaftsakademien – 21 Akademieprofessuren finanziert. Ihre Akademieprofessur bietet Ihnen nun die Möglichkeit, sich wissenschaftlich weiter zu qualifizieren. Wo sehen Sie ihre Anknüpfungspunkte an das Akademienprogramm?

Jun.-Prof. Dr. Susanne Kabatnik: In meiner Forschung möchte ich mich tiefergehend auf den Wortschatz von Epidemien und Erkrankungen fokussieren. Hierbei gibt es vielseitige Anknüpfungspunkte an das Akademienprogramm, beispielsweise in Bezug auf das Mittelhochdeutsche Wörterbuch. Denn im Mittelhochdeutschen finden sich Lexeme, die sich auf Erkrankungen, Epidemien oder Pandemien beziehen, wie beispielsweise die Pest oder Cholera. Zudem interessant ist die Digitale Akademie: Digital Humanities an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz mit ihren unterschiedlichen Formaten und Möglichkeiten zur Partizipation. Ganz konkret kümmere ich mich darüber hinaus auch um die Koordination des Snapshot-Praktikums, bei dem Studierende und Promovierende der Universität Trier für etwa zwei Wochen ein Praktikum in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz absolvieren können.

TCDH: Sie haben zum Thema: „Leistungen von Funktionsverbgefügen im Text – eine korpuslinguistische Untersuchung am Beispiel von deutschen und polnischen Wikipedia-Artikeln“ an der Universität Mannheim 2019 ihre Promotion abgeschlossen. Können Sie uns mehr über ihren Werdegang und über ihre weiteren Forschungsgebiete berichten?

Jun.-Prof. Dr. Susanne Kabatnik: Nach dem Studium der Germanistik im Kulturvergleich und der Slavistik in Heidelberg habe ich in meiner Abschlussarbeit den Sprachgebrauch in polnischen Rap-Texten analysiert. Der Reiz der Sprachwissenschaft macht für mich die Vielfalt an spannenden, alltagsnahen und sinnstiftenden Forschungsthemen aus. Dies hat mich bewogen, mich wissenschaftlich weiter zu qualifizieren. Meine Promotion an der Universität Mannheim beschäftigte sich mit Leistungen von Funktionsverbgefügen in deutschen und polnischen Wikipedia-Artikeln. Dafür entwickelte ich ein Forschungskonzept, das unterschiedliche linguistische Ebenen und (Teil-)Disziplinen, wie die Textlinguistik und (Valenz-)Grammatik, miteinander vereint. Während dieser Zeit wurde ich am Lehrstuhl für Germanistische Linguistik und am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache wissenschaftlich begleitet von Prof. Dr. Konstanze Marx und Prof. Dr. Thomas Spranz-Fogasy. Meine dreijährige PostDoc-Phase an der Universität Greifswald ermöglichte mir im Arbeitsbereich Germanistische Sprachwissenschaft im Schwerpunkt medizinische Kommunikation, insbesondere mit Blick auf die Interaktion in der Psychotherapie, weiter zu forschen und Fähigkeiten in der Korpuslinguistik (bspw. durch die Generierung von Social-Media-Korpora mithilfe von R) zu vertiefen. Im Rahmen der Juniorprofessur bietet sich nun die Gelegenheit, diese Fähigkeiten an die Studierenden weiter zu geben und Social-Media-Korpora beispielsweise zu epidemiologischen medizinischem Wortschatz zu generieren und darauf aufbauend Wörterbuchartikel oder auch digitale Wörterbücher zu konzipieren.

TCDH: Welche Aufgaben haben Sie mit der Juniorprofessur übernommen und über welchen Zeitraum läuft sie?

Jun.-Prof. Dr. Susanne Kabatnik: Für die nächsten sechs Jahre habe ich vielfältige Aufgaben in der Forschung und Lehre übernommen. Ganz konkret heißt dies, dass ich unterschiedliche Forschungsprojekte bearbeite und betreue sowie Seminare, Übungen und Vorlesungen im Bereich der digitalen Lexikografie leite. Darüber hinaus werde ich zusammen mit anderen außer- und inneruniversitären Kooperationspartner:innen Forschungsprojekte durchführen. Ein weiterer Teil meiner Arbeit besteht dabei natürlich auch darin Erfahrungen in der akademischen Selbstverwaltung zu sammeln, in der aktiven Mitgestaltung in Kommissionen und Gremien. Bereits angelaufen ist die Koordination des Snapshot-Praktikum in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz, bei dem Studierende ein Praktikum an der Akademie absolvieren können. Fokussieren und stärken möchte ich darüber hinaus auch die Wissenschaftskommunikation im Bereich germanistischer Linguistik und den Digital Humanities, beispielsweise durch die Veröffentlichung eigener und studentischer Forschungsarbeiten.

TCDH: Können Sie uns einen Ausblick geben, wie Sie Ihr Forschungsfeld in Trier weiterentwickeln wollen?

Jun.-Prof. Dr. Susanne Kabatnik: Verschiedene Untersuchungen und Projekte sind geplant. Mir ist es ein großes Anliegen, dass meine zwei Forschungsschwerpunkte miteinander verzahnt werden, nämlich die medizinische Kommunikation mit der digitalen Lexikografie. Konkret geplante und laufende Forschung dazu sind die Bereiche „Epidemiologischer Wortschatz in Sozialen Netzwerken“, „Digitales Wörterbuch der Depression“ sowie der „Pandemiewortschatz in digitalen Wörterbüchern“. Ebenso interessant ist für mich der Bereich der Wörtbuchnutzungsforschung, für den ich mir durchaus auch (inter-)nationale Koorperationen vorstellen kann.

TCDH: Auf welche Lehrveranstaltungen können sich die Studierenden der Digital Humanities und darüber hinaus in den nächsten Jahren freuen? Haben Sie schon Ideen?

Jun.-Prof. Dr. Susanne Kabatnik: Ich bin Verfechterin von praxisnahen Lehrangeboten, daher plane ich für die Studierenden meine Forschung mit der Lehre an der Universität Trier eng zu verknüpfen. In den kommenden sechs Jahren werde ich unterschiedliche Unterrichtsformate und Lehr-Lern-Szenarien anbieten. Geplant ist beispielsweise eine Einführung in die Digitale Lexikografie, weiter auch Seminare und Übungen, in denen das Thema „Digitales Wörterbuch der Depression“ und „Pandemiewortschatz in digitalen Wörterbüchern“ bearbeitet wird und ggf. auch Wörtbuchartikel enststehen. Derzeit leite ich ein Seminar und eine Übung zu Epidemiologischem Wortschatz in Sozialen Netzwerken. Die Studierenden beschäftigen sich mit der Lexik, die in Bezug auf unterschiedliche Erkrankungen mit größerer räumlicher Ausbreitung, gebraucht wird. Ziel des Seminars ist die Vorbereitung eines Internetwörterbuchs zu verschiedenen Epidemien und ggf. die Korrektur oder Anpassung von bereits bestehenden Einträgen in digitalen Wörterbüchern durch beobachteten Wortschatzwandel. Methodisch geleitet sind die Untersuchungen der Studierenden vom Methodeninventar der Korpuslinguistik - einer linguistischen Teildisziplin, bei der computergestützte Verfahren zur Datengewinnung, -durchsuchung und -analyse verwendet werden. Die Datengrundlagen der studentischen Analysen sind Postings der Sozialen Netzwerke Twitter und Tumblr.

TCDH: Vielen Dank für Ihre Zeit.

Das Interview führte Henrike Sievers (TCDH).


Tags: Akademien, Dissemination und Community Building in den DH / Wissensaustausch