Modernity as Loss?

Textstrukturen, Varianten und Zyklen literarischer Kulturkritik

Modernity as Loss?

Projektleitung: PD Dr. Benjamin Gittel  (Universität Trier - Trier Center for Digital Humanities (TCDH))

Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (Heisenberg-Programm)

Laufzeit: seit

Ansprechpartner (TCDH): PD Dr. Benjamin Gittel

Referenzpublikation:

Benjamin Gittel: Die Architektur fiktionaler Kritik: Evaluative Textstrukturen, Codierungen und implizite Assertionen. In: Textpraxis Sonderausgabe # 7, 2.2023, S. 1-5.

Benjamin Gittel: »Der Roman zeigt, dass …«: Implizite literarische Assertionen, Weltanschauungen und ideologiekritische Interpretationen. In: Scientia Poetica 27.1 (2023), S. 147-176.

Benjamin Gittel: Möglichkeiten und Limitationen fiktional-literarischer Kulturkritik in Hermann Brochs Schlafwandler-Trilogie, Joseph Roths „Radetzkymarsch“ und Ernst Wiecherts „Das einfache Leben“. In: Eckart Conze, Jan de Vries, Jochen Strobel u. Daniel Thiel (Hg.): Aristokratismus. Historische und literarische Semantik von „Adel“ zwischen Kulturkritik der Jahrhundertwende und Nationalsozialismus. Münster 2020, S. 121–138.

Forschungsbereich(e): Digitale Literatur- und Kulturwissenschaften

Schlagworte: Kulturkritik, Gattungstheorie, literarischer Wandel, Textstrukturen

Technologie:

Eines der beständigsten Narrative der europäischen Geschichte seit Rousseau ist das Narrativ eines allgemeinen Verfalls oder kollektiven Verlusts in einer sich wandelnden Welt. So sind 76 % der Europäer der Meinung, dass „die Welt früher ein viel besserer Ort war“ (eupinions 2022). Das Projekt untersucht, wie sich der solchen Einstellungen zugrunde liegende „normativ aufgeladene Reflexionsmodus“ (Georg Bollenbeck) der Kulturkritik in der Literatur manifestiert. Übergreifendes Ziel ist es, dieses bislang schwer fassbare Phänomen literaturtheoretisch und narratologisch zu beschreiben und seine Varianten sowie seine diachrone Entwicklung mithilfe computationaler Verfahren auf breiter empirischer Basis zu analysieren.

Wer sich mit dem Komplex der Kultur- und Modernekritik in literarischen Texten beschäftigt, stößt schnell auf ein ganzes Feld von Begriffen, die in Literaturwissenschaft und -kritik selbstverständliche Verwendung finden: „Dekadenz“, „Fortschrittskritik“, „Gegenwartskritik“, „Gesellschaftskritik“, „Heimatkunst“, „Kulturkritik“, „Kulturpessimismus“, „Literatur der Konservativen Revolution“, „Modernekritik“, „Weltanschaungsliteratur“, „Zeitkritik“, „Zivilisationskritik“ etc. Allerdings sind die meisten dieser Begriffe, die präsumtiv nur gemeinsam haben, dass die unter sie fallenden Texte bestimmte Verlusterfahrungen artikulieren, in der Forschung bislang wenig trennscharf bestimmt und oszillieren auf ungeklärte Weise zwischen Gattungs- und Themenbegriffen.

Hier setzt das Projekt an, indem es Erkenntnisse aus der Literaturwissenschaft, der computationalen Modellierung und der quantitativen sowie qualitativen Textanalyse kombiniert, um: (i) Zuschreibungen solcher Begriffe zu literarischen Werken zu identifizieren, (ii) Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den resultierenden Korpora zu bestimmen, (iii) literaturwissenschaftlich bedeutsame textuelle Korrelate dieser Begriffe (wie Referenzen, Wertungen und Codierungen) zu identifizieren, (iv) computationale Modelle zu entwickeln, um solche Merkmale und ihre Interrelationen automatisch zu identifizieren, und schließlich (v) ihren literaturgeschichtlichen Wandel zu modellieren.

Team TCDH

Benita Pangritz
E-Mail: b [dot] pangritzatstud [dot] uni-goettingen [dot] de
Tel: +49 651 201-3365

Melanie Altmaier
E-Mail: s2mealtmatuni-trier [dot] de
Tel: +49 651 201-3365

PD Dr. Benjamin Gittel
E-Mail: gittelatuni-trier [dot] de
Tel: +49 651 201-3003

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