Lexikalisches Informationssystem Niederdeutsch (LIND)

Verbund digitaler großlandschaftlicher Wörterbücher des Niederdeutschen und angrenzender Räume

Bearbeitungs- und Digitialisierungsstand der dialektalen Großwörterbücher zum Niederdeutschen und zu angrenzenden Sprachräumen © Hanna Fischer 2024 (Kartengrundlage: https://regionalsprache.de/SprachGIS/Map.aspx)

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Bieberstedt  (Universität Rostock – Institut für Germanistik) · Prof. Dr. Hanna Fischer  (Philipps-Universität Marburg – Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas) · Karsten Labahn  (Universitätsbibliothek Rostock) · Prof. Dr. Alfred Lameli  (Philipps-Universität Marburg – Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas) · Dr. Thomas Burch  (Universität Trier - Trier Center for Digital Humanities (TCDH))

Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Laufzeit: -

Ansprechpartner (TCDH): Dr. Thomas Burch

Forschungsbereich(e): Softwaresysteme und Forschungsinfrastrukturen, Digitale Edition und Lexikographie

Schlagworte: Retrodigitalisierung, #Wörterbuchnetz

Technologie:

Dialektwörterbücher wie das Mecklenburgische, das Westfälische und das Hamburgische Wörterbuch zählen zu den sogenannten großlandschaftlichen wissenschaftlichen Großwörterbüchern, mit denen seit dem beginnenden 20. Jahrhundert der Wortschatz der deutschen Dialekte nahezu flächendeckend erfasst wurde. Vorarbeiten in Form von Sammelaufrufen und Feldforschungsaktivitäten reichen teilweise sogar bis in das 19. Jahrhundert zurück. Für den norddeutschen Sprachraum liegen insgesamt 8 Großwörterbücher zu den großlandschaftlichen und urbanen Dialektvarietäten des Niederdeutschen vor bzw. befinden sich derzeit noch in Arbeit. Daneben integrieren drei weitere Wörterbücher niederdeutsch-hochdeutscher Kontakträume und mitteldeutscher Sprachareale niederdeutsche Wortbestände, konkret das Hessen-Nassauische, das Rheinische und das Mittelelbische Wörterbuch. Auf diese Weise ist der traditionelle dialektale Wortschatz in den niederdeutschen Kernarealen und niederdeutsch-hochdeutschen Übergangszonen diatopisch lückenlos erfasst. Die niederdeutschen Wörterbücher sind aufgrund ihrer Entstehungszeit Produkte des analogen Zeitalters. Ihre digitale Aufbereitung stellt eine der vordringlichsten Aufgaben der gegenwärtigen Dialektlexikographie dar. Diese soll nicht allein eine verbesserte Zugriffsmöglichkeit auf die Wörterbücher gewährleisten, sondern es auch ermöglichen, neue, innovative Fragestellungen an das in den Wörterbüchern inkorporierte Datenmaterial zu richten. Hier setzt das Projekt an.

Ziel des Projekts ist ein Verbund digitaler großlandschaftlicher Wörterbücher des Niederdeutschen und angrenzender Räume im Rahmen des Trierer Wörterbuchnetzes bei zusätzlicher Sichtbarkeit als eigenständige Plattform. Dieser Verbund soll durch die Entwicklung eines grammatischen und onomasiologischen Metasystems und digitaler Recherche- und Präsentationstools zu einem „Lexikalischen Informationssystem Niederdeutsch (LIND)” ausgebaut werden. In zwei Projektphasen sollen in diesen Verbund die 8 großlandschaftlichen Wörterbücher des Niederdeutschen sowie 3 Wörterbücher zu niederdeutsch-hochdeutschen Kontaktgebieten eingebunden werden. Auf diese Weise wird erstmals einer der drei dialektalen Großräume des Deutschen (Niederdeutsch, Mitteldeutsch, Oberdeutsch) vollständig in digital vernetzter Form lexikographisch präsentiert.

Mit dem Einbezug des Mittelelbischen, des Rheinischen und des Hessen-Nassauischen Wörterbuchs in das Informationssystem soll die konzeptionell bedingte Beschränkung der Wörterbuchkorpora auf starr definierte Dialekträume und Dialektgrenzen überwunden werden, um somit die Beobachtung von Sprachkontaktphänomenen und Ausgleichsprozessen in sprachlichen Übergangszonen zu ermöglichen, die sich u.a. in der Existenz von Synonymen bzw. niederdeutsch-hochdeutschen Doppel-/Konkurrenzformen manifestieren. Damit stellt sich das Projekt in den Kontext der rezenten Mehrsprachigkeits- und Sprachkontaktforschung und berücksichtigt zugleich Forderungen und Erkenntnisse der modernen Regionalsprachenforschung.

Aus den gleichen Erwägungen heraus sollen im Laufe des Projekts Möglichkeiten der Kooperation mit niederländischen Wörterbuchstellen sondiert werden, mit dem Ziel, in einem Nachfolgeprojekt auch die niedersächsischen und niederfränkischen sowie ggf. Teile der mittelfränkischen Dialektareale des Niederländischen im Verbundnetz zu erfassen. Auch aus sprachhistorischer Sicht ist eine solche Zusammenschau niederdeutscher und niederländischer Wörterbücher von hohem Interesse, da insbesondere die ostniederdeutschen Dialekträume siedlungsgeschichtlich bedingt lexikalische Substratbildungen niederländischer Dialekte zeigen. 

Team TCDH

Dr. Anne Klee
E-Mail: kleeatuni-trier [dot] de
Tel: +49 651 201-3120

Dr. Claudia Bamberg
E-Mail: bambergatuni-trier [dot] de
Tel: +49 651 201-3790

Dr. Thomas Burch
E-Mail: burchatuni-trier [dot] de
Tel: +49 651 201-3364

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