Onlinegang der digitalen Edition von Fräulein Else in der Version 1.0

Digitale historisch-kritische Edition (Werke 1905 bis 1931)

08.08.2018 | Allgemein, Projektnews

Im Rahmen des binationalen Forschungsprojekts Arthur Schnitzler digital ist die erste erarbeitete Edition von Fräulein Else online gegangen.
Fräulein Else

Im Rahmen des binationalen Forschungsprojekts Arthur Schnitzler digital. Digitale historisch-kritische Edition (Werke 1905 bis 1931) ist die an der Bergischen Universität Wuppertal in Kooperation mit dem Trier Center for Digital Humanities erarbeitete Edition von Fräulein Else online gegangen. Die erstmals 1924 publizierte Erzählung öffnet für wenige Stunden den Zugang zum Bewusstsein eines neunzehnjährigen, in ein lebensbedrohliches Dilemma geratenden jüdischen Mädchens und gehört zu den bedeutendsten Novellen der Klassischen Moderne (ca. 1890–1930). Die jetzt in einer Beta-Version vorgelegte digitale Ausgabe bietet neben einem zitierfähigen, um eindeutige Textfehler bereinigten Lesetext mit Sachkommentar vor allem die historisch-kritische Erstedition des gesamten überlieferten, Notizen, Skizzen und zwei Werkniederschriften umfassenden Nachlassmaterials zu Fräulein Else (einschließlich erläuternder Beitexte zu Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte aller edierten Dokumente). Im Ergebnis lässt sich nunmehr im Detail nachvollziehen, in welcher Weise der Autor Schnitzler sein berühmtes Spätwerk innerhalb von mehreren Jahrzehnten entworfen und ausgearbeitet hat.

Das Forschungsprojekt Arthur Schnitzler digital. Digitale historisch-kritische Edition (Werke 1905 bis 1931) wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an der Bergischen Universität Wuppertal, der University of Cambridge und dem University College London in Kooperation mit der Cambridge University Library, dem Deutschen Literaturarchiv Marbach, dem Arthur-Schnitzler-Archiv-Freiburg sowie mit dem Trier Center for Digital Humanities durchgeführt. Das deutsche, Anfang 2012 gegründete und als Forschungsvorhaben der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste im Rahmen des Akademienprogramms geförderte Teilprojekt bearbeitet die Werke ab 1914; das britische, vom Arts and Humanities Research Council (AHRC) finanzierte Teilprojekt hat Anfang 2014 seine Arbeit aufgenommen und bearbeitet Werke von 1905 bis 1913. Die erste Publikation des britischen Teilprojekts ist für Herbst 2018 vorgesehen (Marionetten. Einakterzyklus 1880–1906).

Ziel des Großprojekts ist die Erarbeitung einer digitalen historisch-kritischen Edition und deren Publikation im Rahmen einer von der Cambridge University Library als ‚host‘ beherbergten öffentlich zugänglichen Online-Plattform. Im Gegensatz zu anderen bedeutenden Vertretern der Klassischen Moderne waren die Werke des österreichischen Schriftstellers Arthur Schnitzler (1862–1931) für lange Zeit nicht in einer wissenschaftlichen Edition greifbar. Während Werke aus der frühen Schaffensperiode (bis 1904) im Rahmen eines vom FWF geförderten Wiener Projekts als historisch-kritische Buchausgabe (und als eBook) erscheinen (de Gruyter 2011ff.), nutzt Arthur Schnitzler digital die medienspezifischen Möglichkeiten einer von Beginn an digital konzipierten Edition für die Präsentation der Werke ab 1905. Unter Einbeziehung des umfangreichen, 1938 nach Cambridge geretteten (und heute hauptsächlich dort, zu einem kleineren Teil in Marbach und vereinzelt anderenorts aufbewahrten) Nachlassmaterials bietet das Forschungsprojekt Einblicke in Arbeitsweise und produktionsästhetische Prinzipien eines Autors, der die gesamte Epoche der Klassischen Moderne von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende literarisch äußerst vielgestaltig und mit hochgradiger Sensibilität für ihre Probleme und Widersprüche begleitet hat.

Das Online-Portal führt die physikalisch getrennten Archivbestände erstmals virtuell zusammen und vereint die Funktionen eines digitalen Archivs und einer Edition. Sämtliches überliefertes Material – Manuskripte wie Typoskripte – wird digital reproduziert, transkribiert und durch Kommentare, Register etc. erschlossen. Auf der Basis von verschiedenen Textansichten (semidiplomatische Transkription, genetisch-interpretierende Rekonstruktion, Lesefassung) entsteht – gestaffelt nach Publikationseinheiten, die jeweils weitere Funktionalitäten bieten  – eine multiperspektivische, die Dimensionen der ‚Textualität‘ und der ‚Materialität‘ gleichermaßen berücksichtigende Edition.


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