28. Deutscher Germanistentag in Braunschweig

Beiträge des TCDH

28. Deutscher Germanistentag in Braunschweig

Datum:

14.09.2025 bis 17.09.2025

Ort:

Technische Universität Braunschweig

Kategorie(n):

Veranstaltung
Der 28. Deutsche Germanistentag, der vom 14. bis 17. September 2025 an der Technischen Universität Braunschweig stattfinden wird, widmet sich dem Rahmenthema „Dialog“ und somit einer Schlüsselkategorie der Kommunikation.

Im sprachlichen Dialog verständigen sich die Menschen, sie drücken ihre Gedanken aus, organisieren Gesellschaft und eignen sich die Welt in verschiedenen Modi an. Deshalb kommt dem Dialog in seinen unterschiedlichen Dimensionen und Ausprägungen auch in allen Teildisziplinen der Germanistik und im Deutschunterricht eine besondere Bedeutung zu. Dialog prägt z. B. literarisches Erzählen in Vergangenheit und Gegenwart, Formen der Kommunikation in verschiedenen Handlungsfeldern sowie Prozesse und Inhalte des Lehrens und Lernens. Aber nicht nur als Gegenstandsbereich germanistischer Forschung und schulischer Praxis ist der Dialog in zahlreichen Konzeptionalisierungen von Belang; Sprach- und Literaturwissenschaft, Mediävistik, Fachdidaktik oder DaF/DaZ-Forschung stehen als wissenschaftliche Teildisziplinen der Germanistik miteinander wie auch mit anderen Wissenschaften in einem permanenten inter- und transdisziplinären Dialog. Schließlich stellt die Dialogfähigkeit eine wesentliche Kompetenz dar, die Schüler*innen im Deutschunterricht und Studierende im Rahmen des Germanistikstudiums erwerben sollen. Dabei entwickeln sich Konzepte von Dialog angesichts sich wandelnder Kommunikationsbedingungen fortlaufend weiter und erfordern kritische Reflexion. Verschiedene Krisen stellen die gesellschaftliche Dialogfähigkeit zudem immer wieder vor neue Herausforderungen. Der 28. Deutsche Germanistentag möchte das Thema „Dialog“ deshalb in all seinen Facetten beleuchten und die Wissenschaftler*innen der verschiedenen Teildisziplinen der Germanistik und Deutschlehrkräfte zu einem intensiven dialogischen Austausch miteinander einladen.

Dienstag, 16.09.2025, 16:00 – 17:00

Brief und Dialog in den Digital Humanities: Zu aktuellen Perspektiven auf historische Kommunikationspraktiken

Organisatorinnen: Dr. Claudia Bamberg & Prof. Dr. Claudine Moulin

Mit den Möglichkeiten der Digital Humanities hat auch das Interesse an der Gattung Brief und seiner digitalen Präsentation sowie an der Darstellung, Erforschung und Exploration von sogenannten "Briefnetzwerken" rasant zugenommen: Der Brief stellt für literatur-, sprach- und kulturwissenschaftliche Untersuchungen, die mit digitalen Mitteln und Methoden – qualitativ und quantitativ – arbeiten oder die sich auf digitale Ressourcen stützten, offenbar ein besonders dankbares Objekt dar. Dabei lassen sich auch neuere Ansätze aus der Linguistik und der Soziologie äußerst gewinnbringend auf die Untersuchung von Briefkommunikation anwenden, so etwa aus dem Bereich der Resonanz-Theorie (Hartmut Rosa). Das verstärkte Interesse am Brief und den mit ihm verbundenen kommunikativen Praktiken in den digitalen Geisteswissenschaften (und darüber hinaus) setzte damit zu einem Zeitpunkt ein, in dem das Briefeschreiben als weit verbreitete Kommunikationspraxis mehr und mehr in den Hintergrund trat und von digitalen Formaten (E-Mail, Chat, SocialMedia-Kommunikation) abgelöst wurde. Dabei geht es – neben der Erschließung und Edition großer Briefkorpora in digitalen Editionen – inzwischen zunehmend auch darum, Briefnetzwerke sichtbar zu machen und Kommunikationspraktiken in größeren und weiteren Kontexten zu untersuchen und zu verstehen. Das heißt, dass in jüngster Zeit nicht mehr (nur) Einzelkorrespondenzen im Fokus stehen, sondern dass größere Korrespondenznetzwerke in den Blick genommen werden und somit neue Formen der dialogischen Kommunikation exploriert werden können. Das Panel möchte diese neuen Ansätze in einer Auswahl vor- und zur Diskussion stellen. Dabei wird es insbesondere um die Möglichkeiten der Digital Humanities gehen, Briefe und Briefnetzwerke auf eine weitaus komplexere Weise als es in gedruckten Editionen umsetzbar wäre erforschbar zu machen, und ausszuloten, wie neuere geistes- und sozialwissenschaftliche Zugänge zum Phänomen des Briefes in interdisziplinärer Perspektive eingebunden werden können. 

  1. Dr. Claudia Bamberg (Moderation): Bergüßung und Einführung
  2. Prof. Dr. Claudine Moulin (Trier): Dialog und Briefnetzwerke - Zur Erforschung von Resonanz in Briefkorrespondenzen
  3. Elena Suárez Cronauer, M.A. (Mainz): Im Dialog bleiben? Lücken im Netzwerk, Data Feminism und Briefe
  4. Alexander Wierzock, M.A. (Essen): Dialogische Ideenzirkulationen: (Un-)Verfügbares Wissen im Briefnetzwerk des Gesellschaftstheoretikers Ferdinand Tönnies

Schlagworte: Briefe, Netzwerkanalyse