Lecture by Dr. Joëlle Weis
„La tres humble toute devouée soumise fidelle soeur et servante – Handlungsspielräume einer Königsschwester”
Date:
11.09.2026Place:
University of Vechta
Categories:
WorkshopContact:
Dr. Joëlle WeisFurther Information:
VeranstaltungsartikelAn der Universität Vechta findet am 10. und 11. September 2026 ein Workshop unter dem Titel „Politische Handlungsspielräume und Selbstpositionierungen adliger Frauen in der Frühen Neuzeit“ statt. Veranstaltet wird er vom MWK Niedersachsen geförderten Projekt „Weibliche Vormundschaft, transregionale Verflechtungen und politische Handlungsspielräume im Adel Nordwestdeutschlands in der Frühen Neuzeit“. Auf dem Workshop wollen wir verschiedene Handlungsfelder adeliger Frauen betrachten und dabei systematisch die Frage nach der Selbstpositionierung der involvierten AkteurInnen untersuchen.
Politische Handlungsspielräume und Selbstpositionierungen adliger Frauen in der Frühen Neuzeit
Dass die dynastische Herrschaftspraxis von den diskursiven Normsetzungen der asymmetrischen frühneuzeitlichen Geschlechterordnung regelmäßig abwich, hat die geschlechtergeschichtliche Forschung vor allem mit Blick auf den frühneuzeitlichen Fürstenhof als Schauplatz dynastischer Herrschaft und institutionalisierter Ort politischer Partizipation gezeigt. Mittlerweile werden zunehmend auch die mittlere Ebene des politischen Handlungsfelds sowie kleinere Herrschaftsträger in den Blick genommen und politische Gestaltungsspielräume adliger AkteurInnen jenseits des regierenden Hochadels freigelegt, so dass neben Regentinnen und Fürstinnen allmählich auch andere Frauen als politische Akteurinnen in den Fokus treten. Mit Blick auf den spezifischen Anteil von Frauen an der adligen Herrschaftspraxis, insbesondere als Landesmutter, wurden verschiedene Handlungsfelder in der Forschung identifiziert. Außer dem Bereich der Familienpolitik und der Funktion der Gattin als Fürbitterin waren das insbesondere die Gestaltung von Netzwerken durch die Pflege von Korrespondenzen, die Ämterpatronage, die standesgemäße Repräsentation sowie Diplomatie und Religion. Schließlich wurden zuletzt auch ökonomische Praktiken adliger Frauen im Rahmen ihrer Aufgaben als Verwalterinnen und Bewirtschafterinnen eigener Güter oder, in ihrer Funktion als vormundschaftliche Regentinnen, des dynastischen Besitzes betrachtet.
Auf dem Workshop wollen wir die genannten Handlungsfelder adeliger Frauen betrachten und dabei systematisch die Frage nach der Selbstpositionierung der involvierten AkteurInnen untersuchen. Dabei gehen wir von der Annahme aus, dass konkrete Handlungssituationen explizite oder implizite Positionierungen aller Beteiligten im Spannungsfeld sich überlagernder Handlungserwartungen erforderten. Zu fragen wäre damit nicht nur, welche sozialen Rollen adlige Frauen einnahmen und welche Normen dabei grundsätzlich zum Tragen kamen, sondern auch, wie sich diese Normen in konkreten Situationen überlagerten und ggf. sogar in Konkurrenz traten und was das für die involvierten AkteurInnen bedeutete. Wie wirkten sich insbesondere weibliche Statusveränderungen (idealtypisch: Tochter – Ehefrau – Mutter – Witwe) dabei aus? Wie werden Normenkonkurrenzen in den Quellen sichtbar, wann wurden sie explizit thematisiert und wo artikuliert sich so etwas wie der „Eigensinn“ historischer AkteurInnen? Und schließlich: Welche Rolle spielen Memoiren, Korrespondenzen oder andere Selbstzeugnisse als soziale Praktiken der Selbstpositionierung für adlige Frauen? Wie wirkt sich die schwierige Überlieferungssituation auf die hier diskutierten Forschungsfragen aus? Es geht also nicht nur um die Betrachtung situativer Nutzungen von Handlungsspielräumen, sondern auch um Fragen der Repräsentation und Selbstbeschreibung, soweit sie sich in den Quellen fassen lassen.
Program
Thursday, 10. September 2026
1:30–2:00 pm
Christine Vogel (Vechta): Begrüßung und Eröffnung2:00–2:45 pm
Antje Sander (Jever): Maria von Jever (1500-1575) – Repräsentation, adeliges Selbstverständnis und Geschichtsschreibung an ihrem Hofe2:45–3:30 pm
Charlotte Backerra (Klagenfurt): Juliane von Hessen-Kassel (1587–1643) als Fürstin, Politikerin, Ehefrau und Mutter3:30–4:00 pm
Kaffeepause4:00–4:45 pm
Cathleen Sarti (Independent Scholar): Zwischen wirtschaftlicher und politischer Macht – Ellen Marsvin (1572-1649)4:45–5:30 pm
Christine van den Heuvel (Ronnenberg): Anna Eleonore von Braunschweig-Lüneburg (1601-1659) – Fürstin und Regentin zwischen dynastischem Erwartungsdruck und Selbstpositionierung5:30–6:15 pm
Gerd Steinwascher (Oldenburg): Elisabeth von Ungnad – Handlungsspielräume einer niederadeligen Asylantin in einem sehr heterogenen Umfeld
Friday, 11. September 2026
9:00–9:45 am
Nadine Rüdiger (Freiburg / Heidelberg / Paris): Zwischen Integration und Loyalität – Die Selbststilisierung kurfürstlicher Prinzessinnen am französischen Hof am Beispiel Elisabeth Charlotte von der Pfalz und Maria Anna von Bayern9:45–10:30 am
Laura Rehmann (Vechta): „Je suis pere et mere" – Weibliche Vormundschaft im Spannungsfeld konkurrierender Geschlechternormen am Beispiel von Charlotte Amélie de la Trémoille (1653–1732)10:30–10:45 am
Kaffeepause10:45–11:30 am
Ines Peper (Wien): Politische Handlungsräume in den Memoiren der Gräfin Luise Charlotte von Schwerin (1684–1732)11:30 am–12:15 pm
Joëlle Weis (Trier): La tres humble toute devouée soumise fidelle soeur et servante – Handlungsspielräume einer Königsschwester12:15–1:15 pm
Kommentar (Claudia Ulbrich, Berlin) und Abschlussdiskussion
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Laura Rehmann, laura.rehmann
uni-vechta.de (laura[dot]rehmann[at]uni-vechta[dot]de)
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