Annual Conference of the Linguistic Pragmatics Working Group
"Pragmatism and Artificial Intelligence"
Date:
24.02.2026Place:
University of Trier
Room B17
Registration by 20 February 2026 via email to: kontakt
alp-verein.de (kontakt[at]alp-verein[dot]de)
Organisation: Susanne Kabatnik, Sebastian Zollner
Participation fees:
Students: €5
Members: €10
Non-members: €20
ALP | e.V. IBAN: DE64 3016 0213 2302 8970 10
Categories:
ConferenceContact:
JProf. Dr. Susanne KabatnikFurther Information:
Working Group on Linguistic Pragmatics, Programme for the ALP Annual Conference 2026Program
08:20–08:45 a.m. Registration & arrival
08:45–09:00 a.m. Welcome and introduction
9:00–9:45 a.m. Keynote 1: David Schlangen (Potsdam) "Wer spricht da?" Zur Pragmatik von Mensch / ChatbotInteraktionen
9:45–10:15 a.m. Alexandra Gubina (Mannheim) KI als Interaktionspartner? Zur Steuerung der thematischen Progression bei ChatGPT und TalkPalAI
10:15–10.45 a.m. Thomas Zurfluh (Zug) Asymmetrische interaktionale Arbeit in sokratischen Dialogen mit Voice-Agenten
10:45–11:30 a.m. Poster session* & coffee break
11:30 a.m.–12:00 p.m. Florina Zülli (Zürich) "(A)I Can Empathize with You..." Zur performativen Konstitution von Empathie moderner Sprachmodelle in therapeutischen Dialogen
12:00–12:30 p.m. Verena Thaler (Innsbruck) Verbale Aggression in der Interaktion mit KI-basierten Chatbots
12:30–1:45 p.m. Lunch break
1:45–2:30 p.m. Keynote 2: Tatjana Scheffler (Bochum) Pragmatische Analysen mit LLMs?
2:30– 3:00 p.m. Mia Schürmann, Silke Reineke, Mark-Christoph Müller (Mannheim) Evaluierung der Verwendung von KI-basierten ASR-Transkripten in Workflows zur linguistischen Transkription für das Forschungsund Lehrkorpus Gesprochenes Deutsch (FOLK)
3:00–3:30 p.m. Milena Belosevic (Bielefeld) Polare Fragen als Testfall pragmatischer Kompetenz: LLM-as-ajudge in Unterrichtschats
3:30–4:15 p.m. Poster session* & coffee break
4:15–4:45 p.m. Stefan Meier, Sascha Michel (Koblenz/Aachen) „Hey, Grok...“Argumentieren mit KI in Social-MediaPlattformen
4:45–5:15 p.m. Florence Oloff, Uwe-A. Küttner (Mannheim) Die „Vermenschlichung“ der KI? –Sprachliche Anthropomorphisierung und agentivierende Zuschreibungen bei der situierten Verwendung von ChatGPT
5:15–5:45 p.m. Maximilian Krug, Valentina Nachtigall (DuesburgEssen/Bochum) Der künstliche Vortragende: Wie KI-Zuschreibungen Glaubwürdigkeit in der Wissenschaftskommunikation untergraben
5:45–6:15 p.m. Karsten Senkbeil, Nicola Hoppe, Beatrix Kreß, Bettina Lindner-Bornemann, Stephan Schlickau (Hildesheim) Zwischen Anthropomorphismus und Technizität: Studien zur sprachlichen Praxis mit einer verkörperten KI-Beraterin in Virtual Reality
6:15 p.m. End of the conference
6:30 p.m. General meeting of the Linguistic Pragmatics Working Group (Arbeitsgemeinschaft Linguistische Pragmatik e. V.)
*Poster session:
- Maria Nuralieva, Julia Götz (Heidelberg): LLMs als Identifikationswerkzeuge für semantisch-pragmatischer Muster in medialen Diskursen
- Margret Mundorf (Kaiserslautern): Der Bot als Rechtsexperte und Wissensmittler: Interaktionsanalysen von KI-Chatsfür Rechtsfragen
- Marlen Jacobshagen (Frankfurt O.): “@Grok -is this true?”: Fake News, Fact-Checking und das Vertrauen in den Algorithmus
- Tim Hector (Siegen): Kochen mit KI: Zum Instruieren zwischen Mensch und Maschine in der smarten Küche
- Sebastian Zollner (Greifswald): Der „Hasskompass“ in (Inter- )Aktion: Eine konversationsanalytische Untersuchung KIbasierter Counter-Speech
Keynotes
1. David Schlangen (Potsdam): "Wer spricht da?" Zur Pragmatik von Mensch / Chatbot-Interaktionen
Große Sprachmodelle sind faszinierende Artefakte, scheinen sie doch in der Lage, in erstaunlich allgemeiner Weise linguistisches Verhalten kompetenter Sprachverwender vorherzusagen. Eine Frage, die man aus pragmatischer Perspektive an sie stellen kann ist, in welchem Maße sie pragmatische -- z.B. kontext-sensitive -- Phänomene modellieren. Dies ist eine berechtigte Frage, die zu interessanter Forschung geführt hat und bisher auch noch nicht konklusiv beantwortet ist. In ihrer Form als "chatbots", als künstliche Gesprächs"partner", werfen sie aber auch eine ganz andere Art von Frage auf, die sich nicht auf ihre Eigenschaft als Modell, sondern auf ihre Verwendung als die modellierte Entität bezieht: Lassen sich die Produktionen dieser Chatbots in der Interaktion als sprachliche Handlungen verstehen mit demselben Instrumentarium, mit dem menschliche sprachliche Handlungen in der Pragmatik beschrieben werden? Die Beantwortung dieser Frage hat konkrete ethische Relevanz, denn an dem richtigen Verständnis hängen persönliche (für den Chatbot-Benutzer relevante) wie gesellschaftliche (für deren epistemische Basis relevante) Auswirkungen.
In meinem Vortrag mochte ich diese Frage beleuchten, durch einen Blick darauf, in welchen Relationen der Chatbot durch sein Werden und sein Sein steht nicht nur zu seinem jeweiligen menschlichen Gesprächspartner, sondern auch zur Welt, in der er produziert und produziert wurde. "Wer spricht da?" -- eine künstliche Person, eine Menge von Trainingsdaten, das kulturelle Unterbewusstsein einer linguistischen Gemeinschaft, das Kapital?
2. Tatjana Scheffler (Bochum): Pragmatische Analysen mit LLMs?
Viele linguistische Analysen, selbst solche, die bis vor kurzem als äußerst schwierig galten, können aktuelle LLMs gut durchführen. Sie übertreffen dabei oft naive menschliche Annotator*innen. In der Ebene von Diskurses und Pragmatik kommen jedoch zusätzliche Faktoren hinzu, um zu entscheiden, ob und wann LLMs für linguistische Aufgaben eingesetzt werden können. Einerseits hat die pragmatische Ebene den Ruf, „weniger streng” und subjektiver zu sein als andere linguistische Fragestellungen. Daher mögen viele LLM-Annotationen und -Reaktionen oberflächlich betrachtet angemessen erscheinen. Andererseits sind Diskursphänomene selbst in großen Korpora in der Regel selten (da sie sich über große Textabschnitte hinweg manifestieren), und pragmatische Phänomene existieren an der Schnittstelle zwischen Sprache und Gesellschaft (d. h. Sprache als Kommunikationssystem, nicht nur als grammatikalisches System) und hängen daher oft entscheidend von menschlicher Interaktion, den Intentionen der Diskursteilnehmenden und anderen nicht-linguistischen Aspekten ab, die für Sprachmodelle nicht transparent sind (das Grounding-Problem). Aufgrund dieser Faktoren sind die Reaktionen von LLMs im Bereich Diskurs/Pragmatik häufig noch immer nicht menschenähnlich. Anhand von Beispielen aus der aktuellen Forschung zur Erkennung und Interpretation von bildlicher Sprache, zur Semantik und Pragmatik von Emojis sowie zur Erkennung von Hass- und "Flausch"-Rede werden wir die pragmatischen Fähigkeiten von LLMs diskutieren, um herauszuarbeiten, unter welchen Umständen LLMs zur Unterstützung linguistischer Analysen eingesetzt werden können.
As in previous years, we will also be broadcasting the keynotes via Zoom. Further information on the live stream will be available shortly on our homepage: https://www.alp-verein.de/.
