„Fürstinnenbibliotheken des 18. Jahrhunderts als Wissens- und Kommunikationsräume”

Vortrag von Caren Reimann (Wolfenbüttel) und Joëlle Weis (Trier)

Plakat der Tagung Gotha März 2026

Datum:

05.03.2026 bis 06.03.2026

Ort:

Forschungszentrum Gotha

Kontakt und Organisation:

Gabriele Ball (Universität Göttingen) gabriele.ballattheologie.uni-goettingen.de (gabriele[dot]ball[at]theologie[dot]uni-goettingen[dot]de)
Hendrikje Carius (Forschungsbibliothek Gotha) hendrikje.cariusatuni-erfurt.de (hendrikje[dot]carius[at]uni-erfurt[dot]de)

Kategorie(n):

Tagung
Im Rahmen der Tagung „Kommunikationsräume vernetzt: Der Gothaer Hof unter Herzog Friedrich III. und Herzogin Luise Dorothea – Privatbibliotheken, Sozietäten und Briefkorrespondenzen” halten Caren Reimann (Wolfenbüttel) und Joëlle Weis (Trier) am Donnerstag, den 05.03.2026, einen Vortrag zu Fürstinnenbibliotheken des 18. Jahrhunderts.

Programm

Donnerstag, 05.03.2026

  • 09:15 – 09:45 Uhr
    Begrüßung – Martin Mulsow und Kathrin Paasch
    Einleitung – Gabriele Ball und Hendrikje Carius
  • 09:45 – 10:30 Uhr
    Der Hofmann im Thüringer Wald: Wilhelm von Cachedenier und seine Bibliothek
    Martin Mulsow (Gotha)
  • 10:30 – 11:15 Uhr
    Fürstinnenbibliotheken des 18. Jahrhunderts als Wissens- und Kommunikationsräume
    Caren Reimann (Wolfenbüttel); Joëlle Weis (Trier)
  • 11:15 – 11:45 Uhr
    Kaffeepause
  • 11:45 – 12:30 Uhr
    Gegen den Strich gesammelt? Die „deutsche“ Abteilung der "Belles Lettres" in der Büchersammlung Herzogin Luise Dorotheas von Sachsen-Gotha-Altenburg
    Gabriele Ball (Göttingen)
  • 12:30 – 13:15 Uhr
    „Instrumente der Herrschaft über andere“? Die Bibliothek Herzog Friedrichs III. von Sachsen-Gotha-Altenburg
    Hendrikje Carius (Gotha)
  • 13:15 – 14:30 Uhr
    Mittagspause
  • 14:30 – 15:15 Uhr
    Der Gothaer Eremitenorden im Reich des „moralischen Hofs“. Ursprung, Besonder- heiten und Funktionen 1739–1765
    Bärbel Raschke (Leipzig)
  • 15:15 – 16:00 Uhr
    Masonische Aktivitäten im Umfeld Herzogin Luise Dorotheas
    Erik Liebscher; Markus Meumann (beide Gotha)
  • 19:00 Uhr
    Musikalische Lesung

Freitag, 06.03.2026

  • 09:00 – 09:45 Uhr
    „Nous sommes gens à la mode“ – Voltaire, die Inokulation und der Gothaer Hof
    Esther Fachtag (Göttingen)
  • 09:45 – 10:30 Uhr
    Ein Gothaer Bibliothekar greift nach den Sternen: G. C. Freiesleben als Übersetzer Voltaires
    Konstanze Baron (Berlin)
  • 10:30 – 10:45 Uhr
    Kaffeepause
  • 10:45 – 11:30 Uhr
    Friedrich Wilhelm Gotter (1746–1797) und seine Netzwerke im Spiegel der Korrespondenz
    Mario Zanucchi (Salerno)
  • 11:30 – 12:15 Uhr
    La Beaumelle in Gotha. Die "antiphilosophie" im Spiegel der Hofkorrespondenzen
    Frank Nagel (Kiel)
  • 12:15 – 13:00 Uhr
    Mittagspause
  • 13:00 – 13:45 Uhr
    The Circulation of Books and Manuscripts at the Gotha Court, 1747–1755: Guillaume- Thomas Raynal, Ulrich von Thun, and Luise Dorothea
    Sébastien Drouin (Toronto)
  • 13:45 – 14:30 Uhr
    Schlussdiskussion und Organisatorisches

Die Tagung untersucht die Kommunikations- und Wissensräume am Gothaer Hof unter Herzogin Luise Dorothea und Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Im Zentrum stehen die Verflechtungen von Privatbibliotheken, Sozietäten und Briefkorrespondenzen, über die der Hof an den literarisch-wissenschaftlichen Debatten der Aufklärung partizipierte. Ziel ist eine praxeologisch fundierte Rekonstruktion der Verflechtungsstrukturen und ihrer Wirkung auf Sammlungspraxis, Debattenkultur und Wissenszirkulation.

Kommunikationsräume vernetzt: Der Gothaer Hof unter Herzog Friedrich III. und Herzogin Luise Dorothea – Privatbibliotheken, Sozietäten und Briefkorrespondenzen

Der Hof Luise Dorotheas und Friedrichs III. von Sachsen-Gotha-Altenburg war in der Mitte des 18. Jahrhunderts geprägt von Aufbruch, Geselligkeit und produktiver Auseinandersetzung mit dem Europa der Aufklärung und seinen (medialen) Zentren in Berlin, Göttingen, Leipzig, Paris, London und Amsterdam. Der Gothaer Adels- und Gelehrtenkreis vernetzte sich via Briefkorrespondenzen respektive aktiven Sozietätsmitgliedschaften und partizipierte so über den expandierenden Buch- und Zeitschriftenmarkt an den literarisch-wissenschaftlichen Debatten der Zeit. Diese Kommunikationsprozesse beeinflussten die Sammlungspraxis der beteiligten Akteure insbesondere in ihren bibliophilen Bestrebungen maßgeblich.

Vor dem Hintergrund praxeologischer Ansätze aus dem Bereich der Netzwerkforschung und Wissensgeschichte sowie unter Berücksichtigung von Methoden der Digital Humanities widmet sich der Workshop den Verflechtungen frühneuzeitlicher Institutionen und Medien am und um den Gothaer Hof. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Verflechtungsstrukturen adeliger und gelehrter Akteure und Akteurinnen in den Kommunikationsräumen „Büchersammlung“, „Sozietät“ und „Briefkorrespondenz“ sowie nach den diskursiven Formationen, die diese Räume konstituierten. Untersuchungsgegenstand sind dabei nicht nur die in der Forschungsbibliothek Gotha überlieferten Büchersammlungen der zentralen Protagonisten – Herzogin Luise Dorothea und Herzog Friedrich III. – sowie weiterer gelehrter und fürstlicher Privatbibliotheken, sondern auch Vereinigungen wie Freimaurerlogen oder der gemischt-geschlechtliche "Ordre des Hermites de bonne humeur". Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem den das Forschungsfeld rahmenden, literarisch aufschlussreichen Briefkorrespondenzen herausragender und mit dem Gothaer Hof verbundener Persönlichkeiten wie Juliane Franziska von Buchwald, Gottfried Christian Freiesleben, Friedrich Wilhelm Gotter, Laurent Angliviel de La Beaumelle oder Voltaire.

Leitfragen des Workshops zielen auf die Rekonstruktion der Akteurskonstellation um das herzogliche Paar: Inwieweit lassen sich Kooperationspraktiken zwischen Friedrich und Luise Dorothea im Bereich der kulturell-wissenschaftlichen Aktivitäten am Hof nachweisen? Lässt sich die der Herzogin zugeschriebene zentrale Position in diesem Bereich verifizieren? Welche Implikationen hatte ihre Rolle für die bisher nur in Ansätzen untersuchten weiblichen Netzwerke des Gothaer Hofs? Wie gestaltete sich das Verhältnis von 'gelehrten' Männern und Frauen zum höfischen Machtzentrum? Ziel des Workshops ist es, die Kommunikations- und Wissensräume am Gothaer Hof in der Mitte des 18. Jahrhunderts weiter in ihrer praxeologischen Dimension herauszuarbeiten.


Schlagworte: Fürstinnenbibliotheken, Buch- und Bibliotheksgeschichte, Wikibase, Linked Open Data, 18th century